Vom Trailläufer zum Veranstalter

Die Idee zum eigenen Lauf keimte zum ersten mal auf, als ich mich 2015 für den NAFPUT angemeldet hatte, aber dann leider nicht teilnehmen konnte. Das Konzept vom unbetreuten Ultra mit kleinem überschaubaren Feld gefiel mir von Anfang an. Mit dem Neideck 1000 entdeckte ich dann aber ein Format, das mir perfekt erschien. Ein überschaubares Starterfeld, niedrige Startgebühr, anspruchsvolle, aber durchgängig laufbare Strecke und ein schönes Zielbuffet.

Rund um Wernberg hatte ich schon mehrere Strecken geplant und alle meine Lieblingsstrecken reingenommen. Immer wieder landete ich dabei im Pfreimdtal, bis ich mich schließlich von Wernberg als Startort löste. Der Sportplatz des TSV Trausnitz lag einfach genial, um alle „Sehenswürdigkeiten“ in die Strecke zu packen. Bis Böhmischbruck hatte ich schnell eine Marathonstrecke, die Abkürzung an der Tanzmühle perfekt für einen Halbmarathon. Die Idee zum Pfreimdtaltrail war geboren. Nun zeigte sich aber schnell, dass mit den vorhandenen Möglichkeiten am Sportplatz bei Schlechtwetter maximal ein Teilnehmerfeld von 100 Startern zu realisieren wäre. Zwei verschiedene Strecken bei nur 100 Startern würde aber auch heissen, dass die (vermutlich) 30 Läufer auf der Marathonstrecke relativ allein unterwegs sein würden, aber trotzdem die volle Logistik notwendig wäre – dazu mindestens einmal die Überquerung der vielbefahrenen B22. Also lieber erstmal kleinere Brötchen backen.

Ein Beitrag beim Rock´n´Trail bestärkte mich dann in meinem Vorhaben, die Strecke gut laufbar zu halten und nicht ganz so technisch zu gestalten. Oft war ich schon auf Strecken unterwegs, die landschaftlich super waren, aber ich keine Gelegenheit zum schauen hatte, weil ein Blick zur Seite schon einen Sturz provozieren würde. Ich plante die erste Hälfte daher mit so manchem Forstweg, was den Verfechtern der reinen Traillehre wohl sauer aufstoßen würde. Doch es sollte auch ein Lauf für Einsteiger werden und unterwegs Zeit bleiben, auch mal zur Seite zu schauen. Zudem war der obligatorische Uferpfad auf der zweiten Hälfte anspruchsvoll genug.

Pfreimdtaltrail 2017 Pfreimdtaltrail 2017

Domain registriert, Bürgermeister und Vereinsvorstand kontaktiert, Termin ausgesucht, Webseite online gestellt. Das Catering für die Gäste gab ich an die Fußballer ab, die im Gegenzug keine Miete fürs Vereinsheim verlangten. Ach ja Termin. Alle Laufevents der Gegend hatte ich berücksichtigt und der 14. Mai erschien perfekt. Dass da Muttertag war merkte ich erst zwei Tage nach der Veröffentlichung, sah ich aber nicht als großes Problem. Dass aber relativ viele Absagen von potentiellen Helfern und Teilnehmern aus diesem Grund kamen, überraschte mich dann doch. Die Startgebühr hielt ich mit 15 Euro absichtlich niedrig, auf die Unsitte vieler Veranstalter der Startpreisstaffelungen verzichtete ich. Sicherlich freut man sich, wenn sich das Starterfeld frühzeitig füllt, eine wirkliche Rechtfertigung für eine Nachmeldegebühr gibt es aber eigentlich nicht. Für die Teilnehmer sollte es noch Fotos geben. Statt auf einen kostenpflichtigen Anbieter zu setzen, fragte ich meine fotografierenden Freunde, die mir alle sofort begeistert zusagten.

Die beiden Streckenchecks wurden gut angenommen und die Vorbereitungen liefen gut. Anmeldungen kamen nach und nach rein. Ich gab Stirnbänder in Auftrag, um den Teilnehmern auch eine Erinnerung mitgeben zu können. Helfer wurden rekrutiert, Streckenposten festgelegt, Feuerwehr angefragt, Rennarzt organisiert und und und. Richtig stressig wurde es dann erst in der letzten Woche. Donnerstag markierte ich mit Michl die Strecke, wobei wir ohne Lampen in die Dunkelheit kamen und nach vier Stunden mit Hungerast endlich wieder am Auto waren. Großeinkauf für die Verpflegungsstellen am Freitag, Probeaufbau von Zielbogen und Zelten (danke nochmal an Christian Meyer vom Landkreislauf Schwandorf, an Stephan Gueltner von Ghost-Bikes und der Bäckerei Brunner!) am Samstag. Kurzfristig erkrankte dann noch der geplante Schlußradler, doch da sprang Sabine ein. Abends dann ein gemeinsames Grillen mit Team Gamsbock bei Michl, der in bester Triathlon-Homestay-Manier die ganzen Waidler bei sich untergebracht hatte.

Nun habe ich normalerweise immer einen guten Schlaf, doch ab und an gibt es da Ausnahmen. Würde alles passen? Nichts vergessen? Hält das Wetter? Um 7:00 Uhr stand ich mit Wolfgang und Michl in Trausnitz. Schnell war der Startbogen aufgebaut und die Anmeldung eingerichtet. Ab 8:00 Uhr trudelten die ersten Läufer ein und viele bekannte Gesichter standen um 10 Uhr an der Startlinie. Die Lautsprecheranlage der Sportheims machte schlapp, doch die historische Starterklappe aus Holz tat ihren Dienst. Nun waren alle auf der Strecke und während sich die Läufer Rampe 1 hochquälten, bauten wir schon um.

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Der Startbogen wurde zum Zielbogen und das Verpflegungszelt stand auch schnell. Mit Doc Michael fuhr ich dann zum VP3 um den ersten Läufer abzuwarten. Dort die große Überraschung. Zwar wusste ich, dass Erik Hille schon ab und an mal 35er Zeiten auf 10 km bei Volksläufen abgeliefert hatte, doch dass er gegen Lukas Naegele würde anstinken können, hatte wohl niemand erwartet. Als Erik durch war, schnell zurück um im Ziel alle Läufer zu empfangen.

Alle waren gut drauf, allen hatte es gefallen. Mit dem von Sigi angefertigten Finisherrahmen hatten auch alle ihren Spaß. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Als dann nach 3:15 der Letzte im Ziel war, ging es an die Siegerehrung. Wolfgang hatte wie immer einen super Job gemacht und bereits Ergebnislisten und Urkunden gedruckt. Christian Meyer hatte sich als Moderator bereit erklärt und empfahl sich gleich mal dafür dieen Job das nächste Mal komplett zu übernehmen. Gezwungenermaßen nahm ich das Mikro oft in die Hand, aber man muss sich eben auch eingestehen können, wenn man etwas nicht kann und die Moderation beim Zieleinlauf war sicher das größte Defizit des Laufs. Die gesponserten Siegerpreise von Fenix, Kaipara, CEP, Lowa, Nikwax und Hydro Flask fanden dankbare Abnehmer. Für die teilnehmerstärkste Mannschaft gab es den ausgelobten Kasten Bier und da es zwei Teams mit je 7 Finishern gab, musste ich kurzfristig noch einen zweiten Kasten ordern. Nach der Siegerehrung leerten sich langsam die Bierbänke und wir machten uns ans aufräumen.

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Im Nachhinein bin ich noch immer überwältigt, wie gut alles geklappt hat und wie gut alle zusammen gearbeitet haben. Von keiner Seite negative Worte, alle schienen glücklich, alle zufrieden. Die Berichte auf den Vereinshomepages lesen sich toll und einige sehr positive Mails haben mich im Nachgang erreicht. Nicht wenige Starter waren beim Pfreimdtaltrail zum ersten Mal im Gelände unterwegs – Routiniers wie Newbies von der Strecke begeistert.

Wie gehts weiter? Ich weiß es noch nicht genau. Ich habe versucht, im Vorfeld meine Helfer so wenig wie möglich zu strapazieren. Sie haben am Wettkampftag schon mehr getan, als ich verlangen kann. Nochmal meinen herzlichen Dank an alle. Gleichwohl kann ich aber in Zukunft nicht alles im Vorfeld nahezu alleine stemmen. Körperlich war das schon nahe der Belastungsgrenze. Die Strecke verdient es, nochmal gelaufen zu werden. Andererseits hätte ich nichts gegen Abwechslung und würde gern etwas anderes anbieten. Man wird sehen.

Hier geht es zu den zahlreichen Fotos und zu den Ergebnislisten.

2 Kommentare zu “Vom Trailläufer zum Veranstalter

  1. Albert Bauer

    Das war super organisiert, auch die Zielverpflegung war doch o.k. ich habe da schon anderes erlebt, wohlgemerkt bei einem hoeheren Startgeld, auch finde ich, das die Streckenmakierung ausreichend war, VP 2 war von weiten sichtbar und die Spitzkehre zur Staumauer ausreichend markiert, an den Abzweigungen standen ja Helfer die jeden auf den richtigen Weg brachten und noch Tips gaben, also nicht alles so negativ beurteilen. Mfg Albert

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