Test: Páramo Ciclo Light Jacket

Bei Materialien, die wasserdicht und atmungsaktiv sein sollen, denken bei uns die meisten wohl zuerst an die Membrane der Firma Gore. Wer aber das Ganze umweltfreundlicher haben möchte, also ohne giftige PFCs, der muss sich nach Alternativen umsehen. Mittlerweile gibt es diverse andere Membrane, die teilweise auch PFC-frei sind. Mit der Materialtechnologie Nikwax Analogy verfolgt Hersteller Páramo aber ein komplett anderes Konzept. Ich durfte die Ciclo Light Jacket ausgiebig testen.

Anmerkung: Diese Jacke wurde mir vom Hersteller für den Test zur Verfügung gestellt.

Die Ciclo Light Jacket von Páramo ist in erster Linie als Radjacke gedacht. Ich habe sie aber auch zum Laufen, Skaten und auf Skitour getragen. Sie ist nicht wasserdicht im herkömmlichen Sinne, lässt aber kein Wasser nach innen. Während Membranjacken Wasserdampf brauchen, um den Schweiß abtransportieren zu können, pumpt die innere Mesh-Lage bei Páramo den Schweiß gleich von der Haut oder Baselayer weg. Man fühlt sich nicht nass, selbst wenn man stark schwitzt und friert weniger aus, wenn man Pause macht. Wen die komplette Funktionalität des Materials interessiert, der wird auf dieser Herstellerseite noch viele Infos finden, bzw. sich das Ganze in diesem Video erklären lassen:


Der Hersteller
Páramo wurde von Nick Brown gegründet, dessen Zweitunternehmen Nikwax manchem Outdoorer sicherlich ein Begriff ist. Nick Browns Ziel war es schon immer, funktionelle Kleidung herzustellen, ohne dass der Käufer auf ökologische und ethische Grundsätze verzichten muss. Das geht vom erwähnten Verzicht auf PFCs, über die Produktion bei der Miquelina Stiftung in Bogota / Kolumbien, bis zum Recyclingprozess. Zur diesjährigen Ispo gab es eine bemerkenswerte Pressekonferenz mit Páramo, zu der ich leider nicht anwesend war. Björn von St. Bergweh war aber dort und hat einen tollen Artikel verfasst, den ich nur empfehlen kann.

Der Aufbau
Die Jacke hat sechs Taschen: zwei seitliche Handwärmertaschen, zwei schräge Außentaschen in Brusthöhe, eine relativ große Rückentasche und eine kleine Innentasche. Unter die Kapuze bringt man dank eines hohen Kragens den Rad- oder Berghelm, wenn er nicht zu groß ist. Ein Schirm an der Vorderseite schützt das Gesicht zusätzlich. Die Belüftungsmöglichkeiten an Oberkörper und Oberarmen können notfalls einhändig bedient werden, hält man mit der zweiten Hand dagegen, tut man sich aber deutlich leichter. Das verlängerte Rückenteil reicht auch auf dem Rad gut bis zum Hintern.

Meine Erfahrungen
Wer andere Hardshells kennt, wird überrascht sein, wenn er die Ciclo light zum ersten Mal in die Hand nimmt. Das Material ist extrem weich und erinnert ein wenig an die Jacken aus Ballonseide der 1980er Jahre. Im Gegensatz zu vielen Funktionsjacken anderer Hersteller ist sie in Bewegung daher deutlich leiser. Die Ciclo Light ist winddicht, auch wenn man gelegentlich das Gefühl hat, sie wäre es nicht. Das liegt wohl daran, dass das weichere Material den Winddruck anders überträgt als härtere Stoffe. Bei stärkerem Wind, bei Skiabfahrten oder auf dem Rad flattern gelegentlich lockere Stellen, was wohl auch dem eher großzügigem Schnitt geschuldet ist.

Funktionell gibt es nichts auszusetzen, im Gegenteil. Gerade beim Skating, wo man extrem schwitzt, stellte ich am Ende fest, dass ich auch nach einigen Minuten rumstehen wenig auskühlte. Der Tragekomfort als Ganzes ist nur etwas anders, als man es von einer Hardshell vielleicht gewohnt ist.

Das Gewicht ist mit genau 600 Gramm bei Größe L relativ hoch, was von dem doppellagigen Aufbau kommt. Als Notfallregenjacke im Sommer ist sie mir daher ein wenig zu schwer und zu voluminös für den Rucksack. Den idealen Einsatzbereich sehe ich bei Ausdauersportarten und kühlerem Wetter. Mein extremster Einsatz war eine 35 km Skatingtour bei -10 Grad, wo ich lediglich ein Langarmshirt aus 200er Merino unter der Jacke trug. Da hat sie so gut funktioniert wie bei einem 15 km Lauf im Schneetreiben. Obwohl als Radjacke gedacht, ist sie wohl eher etwas für den Radtouristiker. Richtige Radsportler werden sich mit dem weiten Schnitt weniger anfreunden können.

Pflege: Seit Januar 2016 ist Páramo der erste Outdoorhersteller, der sich zum Detox vepflichtet hat. Das bedeutet, dass sie gefährliche Chemikalien nachweislich und nachhaltig aus der Lieferkette entfernen werden. Für die Jacke heisst das, dass man Nikwax Tech Wash statt normalen Waschmittel verwenden sollte. Gibt man dann noch gelegentlich Nikwax TX.Direct Wash-In mit in die Waschmaschine, bekommt man das Material wieder ordentlich imprägniert.

Die Jacke ist dadurch viel langlebiger als die meisten anderen Funktionsstoffe. Und ist sie dann wirklich am Ende, kann sie problemlos recycelt werden und ist nicht Sondermüll, wie die PFC-behandelten Stoffe.

Fazit: Wer sich auch das etwas andere Tragegefühl einlässt bekommt eine Jacke, die wirklich sehr gut funktioniert und schont dabei gleichzeitig die Umwelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.