Test: Hoka One One Conquest

Seit ich denken kann laufe ich Asics. Anfangs den legendären Tiger, der wohl in den 1990er Jahren der meistgelaufene Schuh in der Szene gewesen sein dürfte. Als die Produktion aus marketingtechnischen Gründen beendet wurde, machte ich (wie so mancher) noch einen Hamsterkauf und schuf mir einen Vorrat von vier Paar. Danach entdeckte ich die GT-21xx-Serie für mich, die ich Jahr für Jahr blind bestellen konnte. Nun wurde aber die Modellreihe beendet und der GT-2000 soll der Ersatz sein. Die Sprengung wurde von 13 auf 12 mm verringert, die Passform leicht geändert. So richtig wohl fühle ich mich darin nicht mehr. Für den Irontrail 2013 hatte ich mir dann noch einen Salomon Speedcross CS zugelegt, den ich aber nur bei Trailläufen und Matschwetter nutze. Denn erstens kann man regelrecht zusehen, wie das Profil weniger wird, wenn man ein paar Meter über den Teer läuft und zweitens ist er meinem lädierten Knie nicht gerade zuträglich.

Hoka One One Conquest

Da dieses Jahr ein paar lange Wettkämpfe anstehen, allem voran natürlich die Ultra Trails im Lamer Winkel und am Eiger, bleiben auch lange Trainingsläufe nicht aus. Auf der Suche nach geeigneten Schuhen für lange Einheiten stieß ich in diversen Foren- und Blogeinträgen immer wieder auf Hoka und dass man mit diesen „Wunderschuhen“ kaum noch ermüdet. Geglaubt habe ich das zwar nicht ganz, aber trotzdem dachte ich mir, dass mal ein Paar zum Test nicht schaden kann. Bereits auf dem Laufband beim Händler zeichnete sich ab, dass das Laufgefühl ganz ein anderes ist. Kurzzeitig zögerte ich noch aufgrund des stolzen Preises von 175,- Euro, doch gab ich mir dann doch einen Ruck und nahm den Schuh mit.

Äuffällig ist das hohe und breite, ein wenig klumpige Design, was von dem patentierten Schalensystem kommt, das den Fuß tief einschließt und viel Halt und Stabilität bringt. Das Sohlenprofil ist mehr als die Hälfte der Länge abgerundet und soll so für ein super Abrollverhalten sorgen. Diese System kannte ich bereits von den MBT-Gesundheitsschuhen.

Hoka One One Conquest

Durch die extreme Dämpfung läuft der Schuh natürlich allem entgegen, was derzeit grad so technisch in Mode ist. Die Schnellverschlußschnürung ist ähnlich wie bei Salomon, funktioniert laut anderen Berichten aber nicht so gut und wird daher oft gescholten. Ich kann das jedoch widerrum nicht nachvollziehen, was vielleicht daran liegen mag, dass ich meine Schuhe meist eh recht locker schnüre.

Der erste Lauf erfolgte dann am Dienstag nach dem Spindellauf mit einem dicken, dicken Muskelkater. Total ungewohnt das Ganze, wobei da schon auffiel, dass die minimale Sprengung von gerade mal 4 mm gegenüber den 12 mm meines GT-2000, keine Probleme machte. Bedenken hatte ich nämlich schon, ob meine Achillessehne das gleich anstandslos mitmachen würde. Doch hier fiel mir der Umstieg sehr leicht. Lediglich die Passform ist ein wenig ungewohnt. Am kleinen Zeh bekomme ich an der Außenseite immer Druckstellen, die sich aber im Rahmen halten. Problematischer ist der harte und hohe Schaft, der an den Knöcheln drückt und reibt. Auf dem folgenden Foto ist gut zu erkennen, wo die Schuhe am Knöchel angehen. Komischerweise spüre ich das beim Laufen aber gar nicht.

Hoka One OneC onquest

Das Laufgefühl an sich unterscheidet sich auch sehr. Spürbar ist, dass es weit weniger feste Stöße auf die Ferse gibt als bei allem, was ich bisher an den Füßen hatte. Ich möchte zwar nicht so weit gehen und von „Laufen wie auf Wolken“ sprechen, wie es manch anderer macht, aber deutlich angenehmer fühlt sich das bei langen Strecken schon an.

Nach einem zweistündigen Trainingslauf ohne Probleme traute ich mich dann, in Rodgau mit den Hokas an den Start zu gehen. Zwar hatte ich einen gewaltigen Einbruch ab Kilometer 40 und auch die Oberschenkel schmerzten ordentlich, doch in den Waden fehlte mir gar nichts und auch die nächsten Tage spürte ich weder in den Waden noch an den Vorderseiten der Schienbeine irgendeinen Muskelkater. Ein für mich ganz neues Gefühl nach einem Wettkampf dieser Qualität. Probleme hatte ich nur mit Schmutz in den Schuhen, der auf den verdreckten Streckenstellen durch die Luft flog. Da ist der Hoka doch anfälliger als meine Asics, was dazu führte, dass ich mich an der Achillessehne wund rieb. In Zukunft sind da bei solcher Witterung evetuell öfter mal Laufgamaschen angesagt.

Fazit: Mein Tipp: Unbedingt ausprobieren! Ich bin ja selten mit Superlativen bei der Hand, doch der Schuh ist für mich eine echte Innovation und hat sich innerhalb von 150 Kilometern zu meinem neuen Liebling entwickelt. Bei Gelegenheit werde ich mir wohl noch die Trailvariante zulegen.

Update 26.05.2015: Leider haben sich die Schuhe dann doch ein klein wenig anders entwickelt als erhofft. Problem 1: Die geringe Sprengung bereitet mir Probleme in der Achillessehne, wenn ich zu viel damit laufe. Wobei ich zugeben muss, dass ich es anfangs auch gleich übertrieben habe und fast nur noch damit gelaufen bin und den Füßen kaum Gelegenheit gegebn habe ich umzugewöhnen. Problem 2: Nach den mittlerweile 400 Kilometern sinke ich jetzt wohl weiter ins Fußbett als am Anfang. Die erwähnte schlechte Polsterung an den Knöcheln sorgt bei mir nun für offene Stellen auf langen Strecken, die ich halt jetzt mit Tape schütze. Heute im Geschäft hat mir der Verkäufer bestätigt, dass er das gleiche Problem hat. Neuere Modelle im Regal waren hier aber besser gearbeitet.

2 Kommentare zu “Test: Hoka One One Conquest

  1. Eddy

    Ich habe Freitag mein erstes Paar HOKA bekommen, nachdem ich jahrelang nur mit ASICS (Kayano) unterwegs war. Erstes Fazit nach den ersten 30 Test-Kilometern deckt sich mit Deinem: unbedingt ausprobieren! Der Schuh ist genial. Blogpost folgt, wenn ich auch 150 Kilometer damit gelaufen bin. Oder so… 😉

  2. Lutz

    Auch mir ging es ähnlich, ich las und hörte von Lauffreunden, die die Hokas anpriesen. Nur der Preis erschien mir für ein Probieren einfach zu hoch. Glücklicherweise kommen nicht alle mit Hokas klar, sodass ich ein fast neues Paar in der Bucht für ganz kleines Geld erstehen konnte, das fand ich für einen ersten Test angemessen.

    Anfangs fand ich das Laufgefühl gar nicht gut, was sich inzwischen aber komplett geändert hat. Allerdings nicht „entweder – oder“. Sondern ich tausche mit meinen ganz normalen Laufschuhen und ziehe die Hokas gerne auch auf längeren Strecken an, aber eben nicht immer. Und natürlich für Regenerationsläufe, wenn die Beine sowieso schon weh tun. Wobei man durchaus auch zügig in ihnen laufen kann.
    Will sagen: Eine tolle Bereicherung. Jedoch hätte ich kein gutes Gefühl, NUR noch in Hokas zu laufen. Hab irgendwie Angst davor, dass bestimmte Muskeln dann zu wenig belastet würden, der Impact vielleicht zu gering ist und dies langfristig Probleme machen könnte. Aber als Beimischung immer. Und siehe da, seit Jahren komplett verletzungsfrei, wenn auch auf übersichtlichem KM-Niveau (ca. 2.000 p.a.).

    Besonders gefällt mir die Haltbarkeit. Außer bei der Sohle. Die ersten (Stinson Trail) laufe ich inzwischen bestimmt schon 1.500 km und die Sohle war nach ca. 800 km hinten soweit abgelaufen, dass der Schuh auf Dauer daran kaputt gegangen wäre. Aber für den Schuhmacher war es kein Problem, die Ferse neu zu besohlen, sodass ich den nächsten Marathon mit dieser Kombi gelaufen bin und und den Schuh auch weiter laufe. Ein Ultraläufer und Schuhverkäufer läuft seine ca. 2.000 km. Das kann gut hinkommen. Womit der Preis dann auch mehr als gerechtfertigt wäre. Wobei, wenn man etwas sucht und wartet, findet man alle Jahre einen neuwertigen Schnapper in der Bucht. So wie ich gerade. Nummer 2 wird also gerade eingelaufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.