Eindrücke von der ISPO 2017

Wieder einmal traf sich die Sportartikelszene in München um sich zu feiern und natürlich war ich vor Ort. Neben einigen Terminen hatte ich noch Zeit, gezielt einige Hersteller aufzusuchen, bzw. mich überraschen zu lassen.

Farblich von allen Modezwängen losgelöst gestaltete sich wieder der Stand von Sherpa Adventure Gear. Neben den traditionellen Mützen und Handgelenkswärmern, die in Nepal per Hand gestrickt werden und dort in entlegene Dörfer Arbeit bringen, gibt es mit der Lithang Serie nun PFC-freie Hardshell aus elastischem Himaltec®-Laminat.

Katadyn hat mit dem BeFree einen Kleinstfilter konstruiert, den man einfach auf eine Softflask von Hydrapak schrauben kann. Das nur 59 Gramm schwere Teil filtert Mikroorganismen aus. Deutlich größer, etwas unförmig und mit 150 Gramm rund dreimal so schwer kommt der Filter von Drinkpure daher. Dafür filtert der aber auch unangenehme Gerüche wie Chlor aus und passt auf jede Standard-PET-Flasche.

Zur Pressekonferenz bei Wollspezialist Devold gab es ein kleines Bloggertreffen. Bei einem Bierchen präsentierte uns Firmenchefin Cathrine Stange sichtlich stolz, dass ihr Unternehmen dieses Jahr gleich zwei Awards abgeräumt hatte. Sie stellte das nachhaltige Wollkonzept der Firma vor und hatte dafür eigens den Bruder von Crocodile Dundee eingeflogen, der (reichlich nervös) sich und  seine Farm vorstellte. Die Serie Tinden hat wohl alle Anwesenden begeistert. Funktionell und designmäßig beweisen die Norweger, dass man sich mit anthrazifarbenen Teilen wunderschön kleiden kann und nicht alles quietschbunt einfärben muss. Als Middlelayer wird es neben der Weste auch eine Jacke mit integrierten Handschuhen, sowie eine Dreiviertelhose geben. Das typische Fischgrätenmuster entsteht dadurch, dass Spacermaterial in die Wolle eingenäht wird und so für zusätzliche Isolation sorgt.

Durch die Übernahme von Montrail hat Columbia sich eine etablierte Trailschuhmarke ins Haus geholt. Zahlreiche Modelle decken das komplette Spektrum ab, das man benötigen kann. Man darf gespannt sein, was da in Zukunft so kommt.

Bei Paramo gab es eine Vorführung, die die eigene Membran erklärte. Auch ohne PFC wird ein ausreichende Wasser- und Winddichte erreicht, ohne auf Atmungsaktivität zu verzichten. Das Konzept stelle ich demnächst anhand eines Testberichts zur Ciclo Light Jacket vor. Einen äusserst lesenswerten Bericht über die Pressekonferenz bei Paramo gibt es übrigens bei Björn: „Die Tränen von Paramo

Ein völlige neues Schlafkonzept für alle Temperaturen präsentierte Polarmond. Dort wird Zelt, Isolationsmatte und Schlafsack in einer Einheit kombiniert. Durch eine raffinierte Konstruktion soll das Ganze einen Temperaturbereich von +25 bis -30 Grad abdecken. Die Feuchtigkeit wird aus dem Zelt abgeführt und so für gleichbleibenden Schlafkomfort gesorgt. Mit Preisen ab 1600 Euro und einem Gewicht um die 4 kg ist die Geschichte aber wohl eher für Einzelexpeditionen geeignet.

Im letzten Jahr hatte Boot Banana mit ihrem lustigen Produkt gegen stinkende Schuhe für Aufsehen gesorgt. Die Schweden von Smell Well haben jetzt ein ähnliches Produkt vorgestellt. Ob und wer da bei wem abgekupfert hat weiß ich nicht, auf jeden Fall riechen beide Produkte gleich und machen ihren Job zuverlässig. Bei Petzl gab es noch einen Ultraleichthelm mit gerade mal 170 Gramm. Im Prinzip ein wenig Styropor mit kleinem Zusatzschutz oben drauf, das trotz fehlender Polster erstaunlich bequem ist.

Die Xerovest ist eine aufblasbare Rettungsweste für 10 Euro, die im Notfall gut isoliert und in jedem Rucksack locker Platz hat. Von Scarpa gibt es einen Nachfolger vom weitverbreiteten Maestrale, der mit einer Schnalle weniger auskommt, deutlich leichter ist und endlich eine andere Heckarretierung hat.

Bereits im Vorfeld geisterte die „ONE MYTHOS LADY GTX® SHAKEDRY™ running jacket“ von GORE-TEX durch einige FB-Foren und erntete viel Kopfschütteln. Kritisiert wurden vor allem die optische Gestaltung. Eine schwarze Oberfläche, noch dazu ohne reflektierende Details kann man wohl getrost als Fehlkonstruktion betiteln. Bedenkt man, dass Jacken eher in der kalten und dunklen Jahreszeit genutzt werden, wird man bei GORE-TEX wohl eher Personen ansprechen, die nicht so sehr am Leben hängen. In die Juryentscheidung floss das wohl nicht ein, die Jacke gewann einen Gold-Award und rief mir wieder den kritischen Beitrag von Gipfelfieber ins Gedächtnis.

Fazit: Wieder gab es eigentlich nur Weiterentwicklungen und alle versuchen leichter zu werden. Der Umweltgedanke wird weiter nur von den Firmen gelebt, die es schon immer tun und „the next big thing“ konnte ich leider wieder nicht entdecken.

2 Kommentare zu “Eindrücke von der ISPO 2017

  1. Sven | Freiluft Blog

    War schön dich mal wieder zu treffen 🙂

    Zum Thema Gore-Tex Shakedry, die dunkle Farbe (es ist kein richtiges Schwarz) ist produktionsbedingt, wurde mir erklärt. Wie es scheint wird Gore-Tex es wohl erst in ein paar Jahren schaffen, Farbe in den Stoff zu bringen …

    1. Tom Autor des Beitrags

      Die wollen eben Gewicht um jeden Preis sparen. Da wird halt minimal aus dem Grundmaterial geschneidert, ganz egal ob es sinnvoll ist oder nicht. Praxistauglich ist die Jacke so sicherlich nicht.

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