Bericht: Swiss Irontrail T41

Als Teil der Staffel des DAV Weiden nahm ich im Mai beim Landkreislauf in Amberg teil. Bereits beim anschließenden Grillevent wurden Plänen geschmiedet, wie die eben erfolgreich gestartete Karriere fortgesetzt werden könnte. Nach einigen Jahren der läuferischen Untätigkeit war es auch Zeit, endlich mal wieder aktiv zu werden. Nach ein wenig Recherche war auch gleich ein Ziel gefunden. Mit dem Swiss Irontrail sollte es ein Trailrun sein. Natürlich nicht auf der Königsstrecke über 201 Kilometer, sondern „lediglich“ der T41 mit 48 Kilometer und 2930 Höhenmeter. Eine erste Bestandsaufnahme führte zu der Erkenntnis, dass 20 Tage auf Tourenski im Winter zwar ein wenig Grundlagenausdauer bringen, aber acht Wochen Laufvorbereitung trotzdem recht knapp sind.

So ging es gleich mal zum Test nach Cham zum Halbmarathon, wo ich mit 1:42 recht zufrieden war. Es folgten diverse Halbmarathons und Bergläufe, die teilweise zu richtigen Hitzeschlachten ausuferten. Eine Woche vor dem Trail ging es dann sicherheitshalber noch zu Matthias, um eine Spirometrie machen zu lassen. Das Ergebnis war niederschmetternd. Fettverbrennung gleich null, aber wenigstens konnte ich bei hohem Laktat noch ne Weile Leistung bringen. Die Berge also langsam angehen und von Anfang an viel essen.

Zu viert wollten wir ursprünglich an den Start gehen, doch dann gab es verletzungsbedingte Absagen und nur Sabine ließ sich nicht beirren, auch wenn sie Angst vor dem Laufen in der Nacht hatte. So reisten wir also am Freitag zu zweit an. Und was soll ich sagen, es regnete in Strömen. Doch der Wetterbericht verhieß Besserung, den armen Schweinen auf der Langstrecke nutze das aber wenig. Sie waren bereits am Freitag um 8:00 Uhr gestartet.

Am Samstag schien dann wirklich die Sonne. So fuhren wir nach Davos und suchten erstmal. Mehrere Runden durch die Altstadt und dann entdeckten wir den Zielbereich. Ein Parkplatz war dann auch irgendwann erfragt und so konnte es zum Bus gehen, der uns zum Start nach Lenzerheide bringen sollte. An der Bushaltestelle fanden sich dann immer mehr Läufer ein und schnell kam man ins Gespräch. Als ich erzählte, dass ich hoffte, vor Einbruch der Dunkelheit im Ziel zu sein, wurde mir erklärt, dass ich mir das wohl wohl eher aus dem Kopf schlagen sollte.

Nach einer Stunde Fahrt stiegen wir am Start aus dem Bus, erhielten unsere Startnummern und gaben die Depotbeutel ab. Als Novum gab es einen Tracker, der laufend die Position der Läufer durchgab und so für Sicherheit sorgen sollte. Zugleich konnten die Freunde daheim auch sehen, wo man gerade unterwegs ist. Ob der Bedienung gab es rundum Ratlosigkeit, piepste das Teil doch nur einmal beim Einschalten und keiner wusste so recht, ob das so passt.

Der Start war recht unspektakulär, ein wenig Musik vom Band, keine oder kaum Zuschauer und ein wenig motivierter und motivierender Sprecher. So ging es dann bei herrlich sonnigem Wetter und Temperaturen um die 20 Grad pünktlich um 14 Uhr auf die Strecke. Das beschauliche Feld zog sich dann auch gleich auseinander und ich fand mich in einer Vierergruppe ein.

Langsam gings nach oben

Von Lenzerheide ging es über Joch zur ersten Verpflegung nach Tschiertschen. Waren die ersten 10 Kilometer nur mäßig bergig, so ging es jetzt richtig zur Sache. Von 1300 Meter mussten wir nun auf den Gipfel des Weisshorns, das mit 2653 Meter den höchsten Punkt der Strecke bildete. Bereits vor Inner Urden merkte ich, dass mein Magen nichts mehr aufnehmen wollte. Schon jeder Schluck Wasser wurde nur widerwillig aufgenommen und wollte am liebsten wieder in die andere Richtung raus. Mir wurde immer übler und so weit es ging, versuchte ich das wegzuatmen. Als es nach 2,5 h richtig steil wurde, merkte ich, dass der Akku leer war. Klar, wenn man nichts essen kann, wo soll die Kraft herkommen? Immer häufiger musste ich stehen bleiben und mich auch kurz hinsetzen. Einer nach dem anderen überholte mich, die Stimmung war am Ende. Der Gedanke an eine Aufgabe wurde immer lauter.

Fast am EndeKurz vorm Gipfel erleichterte ich meinen Magen dann ein wenig und schlagartig ging es mir besser. Das sauere Gefühl war weg. An der Gipfelstation gab es dann Weißbrot und Wasser. Irgendwer machte einen Scherz und meinte, das ist ja Essen wie im Gefängnis! Doch für mich war das Brot eine Wohltat. Es saugte den Rest im Magen auf und ein nachgelegter Powerbar regulierte den extremen Unterzucker wieder in einen vernünftigen Bereich. Geschlagene 45 Minuten machte ich Pause, die ich liegend in der Sonne verbrachte. Als ich dann gerade daran dachte wieder aufzubrechen, kam Sabine freudig zu Gipfelstation. Kein Hunger, keine Probleme am Berg, alles super. Während sie noch auf eine andere Läuferin warten wollte, verabschiedete ich mich und lief los. Auf den ersten Schritten dann ein Powergel und die Kraft kehrte zurück.

Bergab ging es nun und nach wenigen Metern merkte ich bereits, ich war wieder im Rennen. Entlang der Skipisten ging es auf Fahrwegen gerade so steil bergab, dass ich es richtig laufen lassen konnte. Halb fliegend überholte ich viele Kollegen, die mich zuvor am Gipfel bemitleidet hatten. Auf den 850 Höhenmeter hinunter nach Arosa machte ich wirklich viele Plätze wieder gut.

In Arosa kam dann eine große Verpflegungsposten. Im Labyrinth eines Luftschutzbunker gab es Schlafstellen und reichlich zu essen. Nach mittlerweile sechs Stunden auf den Beinen wurde das Essen auch von allen Teilnehmern freudig angenommen. Ich gönnte mir ein alkoholfreies Bier, das meinem Magen gut tat und eine halbe Tafel Zartbitterschokolade.

Über die Furggaalp und Medergen ging es nun stetig auf und ab. Die Dunkelheit holte uns nun alle ein und die Stirnlampen wurden aus den Rucksäcken gezaubert. In einer Dreiergruppe mit zwei Engländern ging es bis Jatz in flottem Schritt. Teilweise hätte man laufen können, doch wären es immer nur ein paar Meter gewesen, bis wieder eine Stufe kam. So marschierten wir lieber im Eiltempo. Sieben Kilometer vor dem Ziel gab es nun die letzte Verpflegungsstelle. Hier nahm ich mir wieder ein Enervit-Gel und nach gerade mal 2 Minuten ging es schon weiter. Bevor mit dem Strelapass nochmals ein heftiger heftiger Anstieg wartete, ging es zwei Kilometer leicht ansteigend und meine Beine waren richtig gut. Doch plötzlich war die Übelkeit wieder da. Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Das Gel wars! Die 500 Höhenmeter auf nur zwei Kilometer Strecke rettete ich mich mit drei ganz kurzen Pausen hoch. Wieder verlor ich ein par Plätze. Oben dann noch eine Kontrolle und es ging von der Passhöhe steil bergab in Richtung Davos und viele Lichter kündigten die höchstgelegene Stadt der Welt an.

Mit jedem Schritt wurde die Übelkeit schlimmer und öfter musste ich aufhören zu laufen, weil mir die Suppe schon fast bis zum Hals stand. Drei Kilometer vor dem Ziel dann verkrampfte sich der Magen und mit einem Schwall kam alles raus, was mein Körper nicht vertrug. Nach Luft ringend musste ich ein paar Minuten am Boden liegen bleiben. Ein nachfolgender Läufer half mir dann auf und lief langsam mit mir los. Die letzten beiden Kilometer wurde es dann mit jedem Schritt besser und nach ein paar Metern durch Davos kam auch hinter der Ecke schon der Zielbogen in Sicht. Natürlich waren so kurz nach Mitternacht kaum Zuschauer da und so begrüßten mich nur einen Hand voll Athleten und Angehörige. Dazu ein einsamer Fotograf und zwei oder drei Helfer. Die Uhr stoppte letztendlich bei 10 Stunden und 18 Minuten. Sicherheitshalber holte ich mir auch erstmal nichts zu trinken oder zu essen. Stattdessen begrüßte ich meinen englischen Freunde, die rund fünf Minuten nach mir einliefen.

Jetzt noch Transponder und Chip abgegeben und den Beutel mit den Finisherpreisen in Empfang genommen. Mann, war mir jetzt kalt! Wo muss ich hin. Ah, 200 Meter weiter ist die Turnhalle. Nichts wie rein ins Warme. Zitternd kam ich dort an und konnte mich kaum noch auf den Beinen halten. Doch sofort war ein Helfer da, nahm mir den Rucksack ab, holte meinen Depotbeutel und führte mich in den Duschraum. Klasse Service! Leider war dann das Wasser aber nicht richtig warm und so fror es mich danach noch mehr. Ein Leidensgenosse half mir ein wenig. Allein wäre ich wahrscheinlich nicht mehr in meine Klamotten gekommen.

Ein Teil der Dreifachturnhalle war abgetrennt und Turnmatten nebst Filzdecken lagen als Schlafstelle bereit. An schlafen war zwar nicht zu denken – dafür sorgte das viele Cola unterwegs – aber mir wurde warm. Eine halbe Stunde später bewegte ich mich in Richtung Massage und ließ mich 30 Minuten verwöhnen. Schön langsam kehrte ich wieder unter die lebenden Menschen zurück 😉 Während der Massage schaute dann ein bekannter Kopf um die Ecke. Auch Sabine war im Ziel. 11 Stunden und 45 Minuten war sie unterwegs. Weit schneller als sie es sich erhofft hatte. Ich sag nur: Allerhöchsten Respekt!

Und wie es immer so ist: kaum im Ziel schwört man sich, so was nie wieder zu machen. Doch mit ein wenig Abstand fangen die Pläne fürs nächste Jahr schön langsam wieder an, durch den Kopf zu kreisen.
Im Zielbogen des Irontrail am Folgetag
Mein Fazit: Hätte ich nicht den Kardinalsfehler gemacht, Gels zu nehmen, die ich nicht kenne, hätte ich bei weitem weniger Probleme gehabt. So kämpfte ich teilweise wirklich schwer und konnte die wunderschöne Landschaft kaum wahrnehmen. Die Streckenführung ist nämlich eigentlich ein Traum fürs Auge. Geschätzt wären noch 45-60 Minuten drin gewesen, doch die Hauptsache ist ankommen und das hab ich geschafft.

Organisatorisch sollte der Veranstalter bei der nächsten Auflage noch nachbessern. Die Streckenmarkierung ist noch stark optimierungsfähig. Zwar hab ich mich nicht verlaufen, doch ich mag nicht dran denken, was bei schlechtem Wetter gewesen wäre. Enttäuschend war die Verpflegung im Ziel, denn hier gab es nur Wasser und alkoholfreies Bier auf Nachfrage und nichts zu essen außer dem was im Finisherbeutel war. Auch an der Öffentlichkeitsarbeit hat es wohl gefehlt, Zuschauer sah man an keiner Stelle der Strecke recht viel. Wett gemacht haben es aber die vielen freiwillgen Helfer, die mit Herzblut dabei waren. Immer supernett und hilfsbereit. Sie sind es, die in meinen Augen den Irontrail zu etwas Besonderem gemacht haben.

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