Bericht: Skitour Schrankogel (3497 m)

Stützpunkt für dieses Wochenende war die Amberger Hütte auf 2135 Meter, die an beiden Tagen restlos ausgebucht war. Entsprechend groß der Andrang in der Wirtsstube. Und es passiert auch eher selten, dass sich die Hüttenwirte freuen, wenn man am Abend erst um 20 Uhr ankommt. Doch vorher hätten wir keinen Sitzplatz zum Essen bekommen und so war dann doch schon wieder ein wenig Platz. Unangenehmer dann schon die geringe Zahl von Toilettenschüsseln im Haus, denn so blieb der ein oder andere Stau am Morgen nicht aus. Unangenehm auch, dass die Stiefel im vollen Trockenraum nicht wirklich trocken wurden. Dafür war das Hüttenteam sehr nett und der oragnisatorische Ablauf super.

Samstag ging die „Aufwärmtour“ auf den Wintergipfel des Windacher Daunkopf (3301 m) und nach einer Querung dann noch auf den westlichen Daunkogel (ebenfalls 3301 m). 1800 Höhenmeter kamen so dann zusammen. Mein persönliches Hauptziel war aber der Schrankogel am Sonntag. Mit seinen 3497 Metern ist er nach dem Zuckerhütl der zweithöchste Berg in den Stubaier Alpen. Da zum Gipfel vom Skidepot eine längere Kletterpassage über den Südostgrat anstand, war von Anfang an klar, dass sich unsere Gruppe wohl aufteilen würde, damit die weniger Trittsicheren dann auf den Schrankarkogel würden ausweichen können.

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So ging es wie tags zuvor nach dem Frühstück gegen 7:30 Uhr das Tal durch die „Sulze“, dem wir dieses Mal aber nicht bis zum Ende folgen mussten. Für uns bog der Weg ziemlich bald links ab und wir folgten relativ harmlos und wenig steil dem Fischbach hinauf bis zum unteren Ende des Schwarzenbergferner. Wahrend einer Rast lief dann ein Pärchen zu uns auf, das auch mit uns im Bettenlager untergebracht war. Die beiden berichteten uns dann von einem Trio, das am Vortag die Ski mit auf den Gipfel genommen hatte, um dann von dort nach Nordosten abzufahren. Angeblich war da ein Skianfänger dabei und selbst der wäre problemlos runtergekommen. Lediglich der Einstieg wäre wohl ein wenig schwieriger und dort seien Steigeisen nötig. Was nun folgte war Gruppendynamik pur. Begeistert vom Gedanken die 300 Meter nicht wieder absteigen zu müssen und mit der zusätzlichen Aussicht auf eine geile Abfahrt war der ursprüngliche Plan schnell verworfen. So teilten wir unsere Gruppe zwar wie geplant (nahmen dafür aber das Pärchen mit), doch richteten wir eben kein Skidepot ein, sondern nahmen die Ski mit nach oben. Der Aufstieg selbst war zwar aufgrund des Zusatzgewichtes ein wenig schweißtreibend, doch gab es eigentlich keine Stelle im ganzen Anstieg, die sonderlich schwierig war. Nur ein oder zweimal gingen die Hände an den Fels. Die restliche Strecke war Gehgelände mit einigen anstregenden Stufen, doch hier halfen die Stöcke. Kurz vor Gipfel dann die einzige ausgesetzte Stelle. Über einen schmalen Schneegrat mussten die letzten Meter bewältigt werden.

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Am Gipfelkreuz war genug Platz für uns alle. Der Ausblick war gigantisch, doch irgendwie konnte keiner so recht genießen, was es so zu sehen gab. Hatte doch jeder bereits auf den letzten Metern einen Blick in die Abfahrt geworfen, die es nun hinunter gehen sollte. Während ein paar schnellen Gipfelfotos kam dann noch kurz die Diskussion auf, ob wir nicht lieber nach Südwesten über das Hohe Egg abfahren sollten. Das gingen auch Spuren in den Hang und es sah nicht ganz so steil aus. Ein auch anwesender Bergwachtler riet uns aber ab, da wir bereits zu spät dran sein würden. So blieb uns nichts anderes über als in die Nordostwand abzuklettern. Die ersten zehn Meter gingen recht gut, da bereits Tritte vorhanden waren.

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Hier hatten nun wohl die Jungs am Vortag die Ski angelegt, die Spuren waren eindeutig. Wir fragten uns nur, wie man bei ca. 60 Grad die Ski an die Stiefel bekommen soll. Wir entschieden uns, dann doch lieber noch ein wenig weiter abzusteigen. Mario ging weiter voran und fand ca. 30 Meter weiter eine Stelle, wo er einen kleinen Absatz austreten konnte. Da er dann auch allen nachfolgenden half, war ich nun plötzlich der, der als erster abfahren musste. Hosenschiss pur. Ca. 50 Meter unter mir ein Felsband mit einem ordentlichen Absatz, der nicht recht einsehbar war. Ich rutschte langsam ab, der Schnee war zum Glück recht gut und so umrundete ich das Felsband. Nun hätte ich eigentlich im 50 – 55 Grad steilen Hang abfahren können. Die Kombination aus Unsicherheit, dem 12 kg Rucksack und leichter Erschöpfung verhinderte aber, dass ich auch nur einen Schwung machte. So rutschte ich nochmal 50 Meter ab und fand nun endlich den Mut, den ersten Schwung zu setzen. In rasanter Fahrt ging es nun mit langezogenen Schwüngen nach unten und mit jedem Meter wurde das Herz wieder leichter. Die Erleichterung war dann allen anzuspüren als die Gruppe wieder zusammen war.

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Nach der Gletscherquerung ging es nun zum Großteil entlang der Aufstiegsspur wieder ins Tal. Kurz vor der Sulze war das Gelände dann schon sehr zerfahren und die Oberschenkel brannten mir ganz ordentlich. Da war das Schiebestück durch die Sulze bis zur Hütte fast schon wieder angenehm. Einig waren wir uns dann alle, dass wir eine Herausforderung gut gemeistert haben, es ohne Ski aber trotzdem mehr Sinn gemacht hätte.

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