Bericht: Jubiläumsgrat mit Martin und Reini

Panorama Jubigrat

Wir sind Helden! Und was für welche! Ich mag gar nicht mehr dran denken, welche tolle Spezialistentour wir da geplant haben. Aber der Reihe nach: Der Plan war, den Jubiläumsgrat von der Zugspitze zur Albspitze zu durchklettern. Für diese Tour werden Zeiten von 8,5 bis 10 Stunden veranschlagt. Da es unterwegs nur einen Notabstieg und eine Biwakschachtel gibt, sollte das Wetter zu 100% passen. Unseren ersten Versuch haben wir wegen Gewitterwarnung daher gleich mal verschoben. Vergangenes Wochenende dann der nächste Versuch. Leider konnten wir (Martin, Reini und ich) erst am Samstag starten und so war der Plan, am Nachmittag nach Grainau zu fahren und im Tal zu übernachten. Mit der ersten Gondel um 8:00 Uhr sollte es nach oben gehen, um 17:30 Uhr die letzte Gondel nach unten zu schaffen. Eine Bude war gleich gefunden und nach einer Pizza zum Abendessen ging es früh ins Bett.

Morgens dann Ernüchterung, es hörte gerade auf zu regnen und alles war patschnass. Also Plan B: Fahrt mit der Zahnradbahn zum Platt, Aufstieg zur Zugspitze und dann den Grat bis zum Notabstieg auf der Grießkarscharte. Über die Knorrhütte sollte es dann noch gemütlich zurück zum Platt gehen und wieder ins Tal. Erste Ernüchterung am Bahnhof Eibsee. Die einfache Fahrt kostet sage und schreibe 25 Euro, die Rückfahrkarte 45 Euro. Ja, sie nehmen es von den Lebendigen.

Vor dem Einstieg auf der Zugspitze

Oben raus aus der Bahn und nach 50 min Aufstieg zum Gipfel stiegen wir gegen 10:40 Uhr in den Grat ein. Zuerst ging es auch noch locker, dann wurden die Kletterpartien immer unangenehmer. Zwar war der Schwierigkeitsgrad recht niedrig, aber eine senkrecht abfallende 500m Wand auf der linken Seite und eine ähnlich steile Flanke auf der rechten Seite sind nicht gerade beruhigend. Dazu dann ständiges Abklettern, was es auch nicht einfacher macht. Zwar packten wir das Seil nicht aus, waren aber über jedes Stück Versicherung froh, das wir unterwegs fanden. Einen großen Teil der Strecke krochen wir lieber, der Wind von der Seite kostete uns das letzte bißchen Trittsicherheit, das uns auf dem schmalen Grat noch blieb. Nach viereinhalb Stunden (15:00 Uhr) und mittlerweile leicht kaputt waren wir dann endlich am Abzweig auf der Grießkarscharte, von wo aus wir noch mal 80 Minuten bis zur Knorrhütte benötigten. Unterwegs dann schon eine Vorahnung, dass die Zeit knapp werden würde und wir gaben Gas so gut es ging.

Jubilaeumsgrat

Als wir dann um 16:20 Uhr vom Hüttenwirt erfuhren, dass die letzte Bahn keinesfalls in den veranschlagten 60 Minuten zu erreichen waren, waren wir schon ein wenig frustriert. Nach einem kühlen Bier und ein wenig ratschlagen, einigten wir uns, die angegebenen dreieinhalb Stunden nach Ehrwald abzusteigen. Dort sollte uns Rudi abholen, den ich kurzerhand von Penzberg zur Zugspitze dirigierte, damit der uns zum Auto nach Eibsee chauffiert. Der Hüttenwirt fragte dann noch, wie der Abstieg vom Grat so sei und wo man da abstürzen kann. Zwei Tage vorher war nämlich ein 68-jähriger aus Norddeutschland in der Nacht am letzten Stück zur Knorrhütte ums Leben gekommen. Wie man auf die Idee kommen kann, das Höllental und den Jubiläumsgrat an einem Tag machen zu wollen, ist mir allerdings schleierhaft.

Also weiter übers “Gatterl” und die Hochfelder Alm zur Ehrwalder Alm. Dort hatte der Hüttenwirt Mitleid mit uns und nahm uns mit dem Auto zur Talstation in Ehrwald. So sparten wir uns die letzten 30 Minuten Abstieg. Zum Dank tranken wir bei ihm noch etwas. Kaum waren wir füf Minuten ausgestiegen, war auch schon Rudi da (herzlichen Dank nochmal) und gegen kurz nach Mitternacht waren wir wieder in Nabburg.

Fazit: Der Grat war mir (und ich denke auch den Kollegen) eine Nummer zu schwer. Den ganzen Grat hätten wir wohl nie und nimmer in 10 Stunden geschafft. Wer nicht jedes Wochenende im Gebirge ist und den Grat plant, sollte vielleicht auch erst einmal unsere Tour gehen, damit er einen Eindruck gewinnt, was hier gefordert wird. Unbedingt braucht es absolut stabile Wetterverhältnisse. Das Seil hätten wir uns sparen können, normale Klettersteigausrüstung hat gereicht. Trotzdem beruhigt es im Zweifelsfall die Nerven ungemein.

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