Bericht: Hochtour Ortlerüberschreitung / Hintergrat (3904 m)

Nach ein paar wettertechnischen Änderungen landeten wir während unserer Hochtourenwoche doch noch in Sulden, wo wir unser Auto an der Talstation der Bergbahn im Talschluß parkten. Dem beschilderten Wanderweg folgend geht es in rund zwei Stunden zur Hintergrathütte auf 2661 Meter. Nimmt man vom Start weg nicht den ausgeschilderten Weg, sondern bleibt auf der (in Aufstiegsrichtung) linken Seite des Bachs, so kann man in der Nähe der Mittelstation die neue Hängebrücke überqueren und hat einen wunderschönen Blick auf den Wasserfall. Von unserer Seite konnten wir aber zumindest Fotos von dem Bauwerk machen. Egal welchen Weg man am Anfang nimmt, man kommt auf jeden Fall an der „überfahrenen Lärche“ vorbei. Dieser Baum wurde im 7. Jahrhundert vom Suldengletscher überfahren und nach dem Rückgang des Gletschers wurden die Holzreste überbaut, um sie vor weiterer Verwitterung zu sichern. Unser Tagesziel erreichten wir dann planmäßig.

Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hntergrat 2014

Die Hütte hat einen großen Gastraum im Erdgeschoss und man kann nach Karte bestellen. Das Essen war gut, die Portionen aber nicht ganz bergsteigergerecht. Es gibt eine Waschgelegenheit, die man aber nur erreicht, wenn man die Hütte verlässt. Ein WC ist im Haus vorhanden. Trinkwasser gibt es nur zum Kauf, das Wasser aus der Leitung kann man angeblich nicht trinken. Als wir aber dann den Preis für Trinkwasser und Marschtee erfuhren, entschieden wir uns doch für das Leitungswasser, anstatt 3 Euro je Liter zu zahlen. Das Frühstück für immerhin 10 Euro bestand aus zwei Vinschgerln und portioniert je 20 Gramm Butter, Marmelade, Nutella, Honig und Streichwurst. Kein Müsli. Dazu wahlweise einen Pott Kaffee oder Tee. Das Ganze ist vielleicht auf einigen Hütten so Standard, aber zusammen mit der fehlenden Motivation der Mitarbeiter lässt es eben den Eindruck zurück, dass man genau weiß, dass jeder hier übernachten muss, wenn er den Hintergrat machen möchte.

Das Frühstück gab es um 3:30 Uhr und so machten wir uns um 4:15 Uhr im Schein unserer Stirnlampen auf den Weg. Mit uns brachen noch einige Gruppen auf, die es alle recht eilig hatten. Von der Hektik ließen wir uns jedoch nicht anstecken, wussten wir doch, dass es an den Schlüsselstellen Wartezeiten geben würde. So ging es in aller Ruhe bei sternenklaren Himmel zuerst gemächlich bergauf zur Moräne des Suldenferners. Dort erwartete uns das erste Schneefeld und in der Dämmerung zogen wir Steigeisen an.

Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hntergrat 2014Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hntergrat 2014

Danach ging es wieder ohne Eisen hinauf zum Oberen Knott. Das Ganze in Gehgelände gemischt mit leichten Kletterstellen (max II). Viel loses Geröll ließ auch immer wieder kleine Steine von oben kommen. Hier war Vorsicht geboten. Nachdem wir den eigentlichen Grat erreichten, folgten wir diesem bis zum ersten Eisfeld.

Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hntergrat 2014
Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hntergrat 2014

Wir folgten den zahlreichen Spuren bis wir wieder die Eisen abnehmen mussten um zum Signalkopf auf 3725 m zu gelangen. Diesen umgingen wir dann links und sicherten uns hier zum ersten Mal mit dem Seil. Weiter ging es am Grat, der gut versichert war, wobei wir nicht jede Sicherung nutzten und immer wieder ein paar Meter frei gingen. Die Schlüsselstelle (IV) ist mit einer Kette ausgestattet, an der man sich gut hochziehen kann. Noch ein paar Meter in leichterem Klettergelände und wir erreichten wieder ein Firnfeld, das diesmal mit rund 40 Grad wesentlich steiler war und uns ganz schön außer Puste brachte. Nun mussten wir erneut zwei Seillängen im IIIer und IVer Gelände klettern. Noch ein paar Meter auf dem nun breiten Grat und wir erreichten nach sechs Stunden den Gipfel.

Ortler Hntergrat 2014 Ortler Hintergrat 2014Ortler Hntergrat 2014 Ortler Hintergrat 2014

Da das Wetter so schön war verbrachten wir fast eine Stunde am Gipfel und kosteten die sagenhafte Fernsicht mit einer Brotzeit und einem wohlverdienten Gipfelschnaps aus. Schweren Herzens trennten wir uns dann vom Gipfelkreuz und traten den Abstieg an. Der Normalweg führte nun über die weiten Gletscherhänge hinab. Vorbei ging es an großen Spalten bis wir das Lombardibiwak erreichten, wo es erneut eine kleine Pause gab. Wir zogen den Abseilstand einer weiteren IIIer Kletterpassage vor und nach dem letzten Stück über den Gletscher erreichten wir einen Sattel, wo wir nun endlich die Steigeisen wegpacken konnten. Gefühlt 50 mal hatten wir die vorher an- und ausgezogen.

Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hntergrat 2014Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hntergrat 2014Ortler Hintergrat 2014 Ortler Hntergrat 2014

Nach leichter Kletterei über den Grat erreichten wir nun wieder einen Abseilring, wo es diesmal 25 Meter nach unten ging. Weiter über den Grat und eine Klettersteigpassage nach unten.  Dem anschließenden Grat folgten wir und mussten dabei immer wieder die Hände zu Hilfe nehmen um die Kletterstellen zu passieren. An der Tabarettaspitze querten wir zuerst leicht ansteigend und über eine Scharte wechselten wir dann auf  die Nordostflanke. Noch ein paar Meter steil hinab und endlich erreichten wir die Payerhütte. Nach einer Stärkung ging es auf einem nun endlich breiten Weg hinab zur Tabarettahütte und weiter zum Auto, das wir nach kraftzehrenden 14 Stunden erreichten.

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