Bericht: Ford Challenge Prag

Eigentlich wollten wir Ende August im norwegischem Tonsberg starten und das Ganze mit einem kleinen Wanderurlaub verbinden. Bereits Ende 2016 hatten wir uns zu dritt angemeldet und Reiseplanungen begonnen. Im Mai kam dann die Absage des Rennes, verbunden mit einer Insolvenz des Veranstalters. Auf unsere Rückforderung der Startgebühren kamen erst Vertröstungen und dann gar keine Antworten mehr. Als die Webseite dann offline ging, wandte ich mich direkt an die Challenge Family und wir einigten uns unbürokratisch auf Startplätze für die FORD Challenge Prag.

Ich war schon einige Jahre nicht mehr richtig in Tschechien, obwohl ich ja nur ein paar Kilometer von der Grenze entfernt wohne. Und eigentlich gebe ich nichts auf Klischees oder Empfehlungen meiner Arbeitskollegen, dass man ja nicht das Auto irgendwo unbeaufsichtigt parken solle usw. Doch bereits als wir an der Grenze die Vignette kauften, versuchte man uns beim Wechselgeld übers Ohr zu hauen. Die Weiterfahrt bis Prag verlief dafür dann problemlos und auch die Parkplatzsuche in der Nähe des Starts war fast problemlos. Die Unterlagen gab es ohne Wartezeit, die Miniexpo war schnell abmaschiert. Also auf zur Nudelparty auf der Moldauinsel, wo wir den Großteil der oberpfälzer Starter trafen. Wobei Nudelparty eigentlich der falsche Ausdruck ist. Es gab zwar Nudeln, aber die eher in einer homöopatischen Dosis und beim Nachschlag war auch Fehlanzeige. Zum Glück hatten wir zu zweit vier Gutscheine (Sabines Staffelpartner waren noch nicht da) und so wurden wir halbwegs satt. Das Ganze löste sich dann recht schnell auf, vermutlich weil alle Hunger hatten und noch irgendwo zum Essen gingen. Auch wir machten uns auf zum Hotel, wo wir auf Nachfrage unsere Fahrräder in einem Personalraum unterbrachten.

Challenge Prag

Eine Startzeit um 12 Uhr hat den Vorteil, dass man recht gemütlich ausschlafen kann und auch ein normales Frühstück bekommt. Aufgrund meiner Erfahrungen hielt ich mich da aber zurück und trank lieber hauptsächlich von meiner Maltolösung. Mit dem Rad fuhren wir dann die 3 km zum Start und konnten bald einchecken. Wobei einchecken das falsche Wort ist. Wir wurden nämlich einfach in die Wechselzone gewunken und mussten dazu nicht mal den Helm aufsetzen. Für den Bikepark wurde die ganze Brücke gesperrt und in zwei Reihen standen die Räder auf 200 Meter verteilt.

Ein paar Meter weiter ein Ständer für den Laufbeutel und auf der Insel unter der Brücke dann Wechselzone 1, was alles vom Ablauf gut angelegt war. Was dann aber so manchen fassungslos machte, war die Tatsache, dass man den After-Race Beutel im Ziel hätte abgeben müssen. Für Athleten ohne Begleitung ein Ding der Unmöglichkeit, denn wer mag dann schon barfuß 500 Meter zum Schwimmstart laufen?

Die Startphase war dann relativ unübersichtlich. Die Durchsagen schlecht zu hören und zum Großteil natürlich in tschechischer Sprache. So schloss ich mich der Prozession ins Wasser an, das mit 16 Grad recht schattig war. In meiner Startgruppe wurden alle männlichen Altersklassenathleten losgeschickt. Das Hauen nach der Sirene war entsprechend. Von der Strömung merkte man zum Glück kaum etwas. Wir mussten einmal die Insel umrunden und stiegen fast am Einstieg wieder aus dem Wasser. An den Wendebojen und Brücken wurde es teilweise recht eng. Bis zum Ausstieg hatte ich daher keine 100 Meter am Stück ohne Berührung durch einen anderen Schwimmer. Die 32:18 für die rund 1700 Meter lange Strecke gehen daher in Ordnung.

Nach dem Wechselzelt wartete dann ein recht langer Lauf von 500 Meter, bis man endlich am Rad war, bzw. aufsteigen durfte. 50 Meter vor mir sah ich Christian laufen und freute mich über meinen geringen Rückstand nach dem Schwimmen. Es folgten 15 flache Kilometer auf einer breiten Hauptstraße. Ich überholte einige Gruppen und hatte Christian vor dem ersten Berg eingeholt. Die Straße wurde schmäler und was nun folgte hatte eigentlich mit Triathlon nichts mehr zu tun. In diesen großen Pulks war es unmöglich sauber zu fahren. Ich legte gelegentlich einen Zwischensprint ein, fuhr an einer Gruppe vorbei, nur um dann auf die nächste aufzufahren. Da die Straße auch in beiden Richtungen befahren wurde, war es auch nicht ungefährlich. Hinauf auf den einzigen richtigen Berg fuhr mir Leichtgewicht Christian wieder davon, doch in der folgenden Abfahrt konnte ich meinen Gewichts“vorteil“ ausspielen und fuhr bald wieder vorbei. Bis zum Ende von Runde 1 war es nun bretteben und setzte mich von ihm (und der Gruppe hinter ihm) deutlich ab. Nach einem Eck in Runde 2 stand ich kurz auf, als ich einen Krampf im Oberschenkel bekam. Nun kenne ich Krämpfe eigentlich nur vom Hörensagen und wunderte mich erstmal, wie das passieren konnte. Ich musste nun deutlich das Tempo reduzieren, wobei es im Sitzen noch relativ gut funktionierte, solange ich nicht aufhörte zu treten. Im Rollen verkrampfte sich das jeweils gestreckte Bein sofort erneut. Bis zur Wechselzone mogelte ich mich so durch und verlor rund zwei Minuten. Die 2:28 für die 90 Kilometer hören sich dabei nicht so schlecht an, aber aufgrund des Streckenprofils sollte man den Schnitt von 36,4 km/h nicht überbewerten. Und auch wenn ich wirklich immer versucht habe sauber zu fahren, eine Fünfergruppe 10-15 Meter vor einem merkt man trotzdem deutlich. Die beiden Fotos zeigen eigentlich sehr schön, wie meist gefahren wurde.

Übrigens: Auch wenn ich nur zweimal einen Kampfrichter gesehen habe, es wurden wohl ordentlich Karten verteilt. Aber die Schuld an der Situation trägt hier eher der Veranstalter. Wenn man nämlich auf dieser Strecke eine Startgruppe mit über 400 Teilnehmern ins Wasser schickt, dann ist so eine Lutscherei vorprogrammiert.

Die ersten Laufschritte – noch dazu in Radschuhen – waren die Hölle. Ohne die Bank in der Wechselzone wäre ich wohl nicht in meine Laufschuhe gekommen. Nach 100 Meter laufen musste ich bereits stehen bleiben und dehnen. Langsam nahm ich Tempo auf und bei jedem Schritt krampfte es wieder leicht. Wieder stehen bleiben, nochmal dehnen, wieder laufen. Bis zur ersten Verpflegung ging es so weiter. Dort tunkte ich meinen Finger erstmal in den Salzteller und spülte den ekelhaften Geschmack mit reichlich Cola runter. In dem Augenblick lief Lothar an mir vorbei und ich nahm die Verfolgung auf. Nach einem halben Kilometer hatte ich die 50 Meter zugelaufen und wir wechselten ein paar Worte. Dass ich ihn nicht würde halten können war mir da schon klar, außerdem zwickte es schon wieder. Da auch gerade ein Dixi am Weg stand, machte ich kurz Pause und beschloss, dass ich rausgehen würde, wenn die Krämpfe nicht deutlich besser werden sollten. Am nächsten VP nochmal Salz und langsam verschwanden die Krämpfe. Die Kraft war trotzdem komplett aus den Beinen. Mein Körper leer und an einen Schnitt unter 5 min/km gar nicht zu denken. Am Ende der ersten Runde lief ich trotzdem weiter.

Mitte Runde 2 kam dann Kathi von hinten, die als Läuferin in Sabines Staffel unterwegs war. Da sie noch recht frisch war, konnte ich auch an ihr nicht dranbleiben. Immerhin hatte ich aber noch eine Runde Vorsprung 😉 Ich lief nun einfach vor mich hin, 5:30er Notbetrieb geht immer, noch dazu mit Kühlpausen an den Verpflegungsstellen. Die Laufstrecke wäre eigentlich wirklich schön. Entlang am Wasser und auch relativ viel Zuschauer in den Kneipen und am Straßenrand. Ich blendete das alles aus, war aber mehrmals in Versuchung einem der Zuschauer sein Bier abzunehmen.

In der letzen Runde lief ich dann auf Frank Harras auf. Der Chef der Hardtseemafia war erst auf die Laufstrecke gegangen und ich dachte mir nur, dass ich es zum Glück ja gleich hinter mir hätte. Ich trabte langsam ins Ziel, ließ mir meine Medaille umhängen und versuchte, die übliche Zielübelkeit zu unterdrücken. Ziemlich bald stieg Frust auf – wieder einmal ein Rennen versemmelt. Wenigstens hatte mein Magen die ganze Strecke mitgespielt und wahrscheinlich war ich einfach zu optimistisch, was ich drei Wochen nach einer Langdistanz leisten kann. Die Uhr blieb bei 5:12:24 stehen, den Halbmarathon bin ich also in 2:02:13 gelaufen. Selbst auf der zweiten Hälfte in Roth war ich deutlich schneller. Naja, immerhin wurde es noch Platz 20 in der Altersklasse (von 70) und Platz 223 im Einlauf der 515 männlichen Finisher.

Auch wenn es für mich diesmal in die Hose ging, Grund zum feiern gab es trotzdem. Lothar und Jürgen hatten sich die ersten beiden Plätze in der Altersklasse geholt. Lothar gewann die AK 55 mit einem super gleichmäßigen Rennen in allen drei Disziplinen, „Nichtschwimmer“ Jürgen trumpfte vor allem beim Laufen auf und lieferte mit 1:36 noch einen erstklassigen Halbmarathon ab. Sabines Team wurde als dritte Damenstaffel leider nicht geehrt.

Das Wochenende klang dann am Sonntag mit einer Tour durch die Stadt aus, Prag ist wirklich eine Reise wert. Zu Hause musste ich dann feststellen, dass wohl versucht wurde, in meinen alten Passat einzubrechen. Zumindest hatte sich jemand mit roher Gewalt am Türschloß zu schaffen gemacht und wurde aber wohl dabei gestört, was mich vor größerem Schaden bewahrt hat.

Fazit: Der Wettkampf ist organisatorisch nicht ganz das, was man von anderen Rennen aus der Challenge Serie gewöhnt ist. Die Kulisse ist aber gigantisch und die Stadt sicher eine Reise wert. Die drei Teilstrecken haben mir gut gefallen, wenngleich durch die große Startgruppe der Spaß verleidet wurde. Zwei Startgruppen mit je 200 Startern und alles wäre entspannter und fairer abgelaufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.