Bericht: Challenge Heilbronn

Drei bis vier Wochen vor dem Saisonhöhepunkt soll eine Mitteldistanz ja optimal sein und Heilbronn warb von Anfang an mit dem Slogan „Road to Roth“. Die Challenge Heilbronn war also von Anfang an als Vorbereitung geplant und so fuhr ich das Training in der Woche zuvor auch kaum herunter. Im Kopf noch immer das Desaster von Samorin und die Angst, wieder den Lauf aufgrund von Magenproblemen zu versemmeln. In den zwei Wochen seit „The Championship“ hatte ich mir allerhand Gedanken gemacht und bereits zwei Tage nach dem Wettkampf meine Alltagsessgewohnheiten grundlegend umgestellt, was ganz schön Disziplin erforderte. Dazu noch ein paar Nüchterneinheiten, um von meinem hohen Kohlenhydratbedarf wegzukommen. Dass das für Heilbronn nichts mehr bewirken würde, war mir klar, aber bis Roth vielleicht schon?

So ging es Samstag mit Sabine auf die Autobahn. Sie wollte ihre erste Kurzdistanz bestreiten. Vor Ort alles angenehm entspannt, die Wege relativ kurz und der Bike Check-in problemlos. Auf der Expo leistete ich mir dann noch einen neuen Einteiler, den ich auch gleich fürs Rennen nehmen wollte.

Statt Nudelparty gab es eine Maultaschenparty, zu der wir mit den Freunden der Hardtseemafia gingen. Sabine bekam bei der Gelegenheit ihre neue „Dienstkleidung“ 🙂 Anschließend bei der Starterpräsentation sprengten wir die halbe Veranstaltung, als wir kurzerhand den Platz neben der Bühne fürs Gruppenfoto in Beschlag nahmen. Mitten im Trubel wie immer Ulknudel Yvonne van Vlerken. Bevor es ins Hotel ging fuhren wir noch die Radstrecke ab. Dass der Kurs hart sein würde, war mir bereits bekannt. So heftig hatte ich es jedoch nicht erwartet. Mehrere der ungeliebten Steigungsschilder passierten wir und bergab schüttelte es uns ordentlich im Auto durch, weil der Straßenbelag so schlecht war.

Statt dem normalen Frühstück gab es für mich diesmal nur einen Riegel und eine Flasche Malto19. In Samorin wollten nämlich beim Laufen noch Teile vom Frühstücksmüsli wieder nach oben und das wollte ich diesmal unbedingt vermeiden. Genial war danach das Parkhaus direkt an der Wechselzone. Gerade mal 50 Meter Luftlinie hatte ich vom Auto zum Rad. Eine letzte Kontrolle vom Rad und die Wechselsachen deponiert. Bei Sabine war über Nacht der Vorderreifen platt geworden, also haben wir zur Sicherheit lieber noch den Schlauch gewechselt.

Der Schwimmstart in unserer Startgruppe verlief relativ diszipliniert. Die Orientierung war sehr leicht – Kunststück, wenn man in einem schmalen Flußarm schwimmt. Das Wasser zwar trüb, aber sehr sauber. Lediglich zweimal spürte ich irgendwelche Wasserpflanzen an der Hand. An der Wende ein kurzer Blick auf die Uhr, die genau 20 min anzeigte. Zurück half nun die Strömung und nach genau 37 min setzte ich den Fuß auf den Ausstiegsteppich. Der Weg in die Wechselzone verlief über die Straße und Bahnschienen und wir waren alle relativ lang unterwegs.

Schon auf den ersten Radmetern war höchste Konzentration angesagt. Erstmal waren nämlich viele Ecken zum umfahren, bevor es endlich raus aus der Stadt ging. Bereits bei Kilometer 3 wartete der erste Anstieg. Da ich meinen Körner nicht zu früh verbrauchen wollte, drückte ich nicht ganz so auf die Tube, überholte aber trotzdem ständig. Bei Kilometer 20 bogen wir in einen Rundkurs ein, der zweimal zu durchfahren war. Es wartete der längste Berg der Strecke, der sich aber erstaunlich gut fahren ließ. Überhaupt waren alle Anstiege weniger schlimm als befürchtet. Wenig Spaß machten dagegen die meisten Abfahrten, denn die konnte man meist nicht in der Aeroposition fahren. Fürs Zeitfahrrad waren viele Abschnitte eigentlich zu schlecht oder es wartete die nächste Ecke, wenn man gerade Tempo aufgebaut hatte. Lediglich in einer Abfahrt traute ich mich dann auch mal über die 70 drüber, an den restlichen Stellen hatte man lieber die Hand an der Bremse. Am Berg bei Kilometer 38 wurde ich zum ersten Mal überrundet. Während ich auf dem kleinen Blatt bei 6-8 Prozent Steigung ordentlich kurbelte, bretterte Sieger Boris Stein mit großem Blatt und in Aeroposition vorbei. Runde 2 absolvierte ich eine Minute langsamer, was auch an den vielen zu überrundenen Fahrern lag, die mich an den engen Stellen bremsten. Ernährungsmäßig fühlte ich mich recht gut, ich trank weniger Malto als in Samorin und über die ganze Strecke gab es zwei Gels. Stress bekam ich nur an den Verpflegungsstellen, da diese nicht angekündigt wurden und auch nicht sonderlich lang waren.

Das Ende der Runde überraschte mich, wie auch die anderen, beide Male. Der Abzweig kam ohne Vorwarnung bei hohem Tempo und die Schrift auf dem Schild war relativ klein. Auf dem Rückweg nochmal eine ordentliche Steigung, doch im Großen und Ganzen fiel die Strecke jetzt bis in die Wechselzone. Mit einem 32er Schnitt stieg ich vom Rad und selbst wenn ich Vollgas gegeben hätte, es wäre kaum mehr für mich drin gewesen. 1260 Höhenmeter auf 93 km zeigte mein Garmin, da sind die leichten Athleten dann doch im Vorteil.

Kurz vor der Wechselzone nahm ich noch ein Gel und bis ich – nach einem kurzen zusätzlichen Boxenstop – die Wechselzone verließ, merkte ich auch schon die Wirkung. Vom ersten Meter lief es rund, kein Vergleich zu Samorin. Durch die Zuschauermengen und vorbei am Bogen der Mafia lief ich, als hätte ich heute noch nichts gemacht. Als meine Uhr den zweiten Kilometer meldete, zeigte sie 8:10 min und ich bremste erstmal erschrocken runter. 4:25 – 4:30 auf den Kilometer erschien mir dann doch vernünftiger. Die Strecke selbst ist superschön zu laufen. Der Belag eben und dazu viele große Bäume, die Schatten spenden. Lediglich der Anstieg über die große Brücke tat weh. Zum Ende von Runde 1 ließ ich mich wieder von den Zuschauern beflügeln und zog erneut an. Ein Tempo von 4:20 konnte ich durchwegs gut laufen und lediglich an den VPs blieb ich manchmal kurz stehen und steckte den Kopf ins Wasser oder duschte mich mit einem Schlauch ab. Bei Kilometer 11 ein ganz kurzer Durchhänger, als ich zu überhitzen drohte. Der anschließende Schatten im Park half mir aber gut über diese 5 min. Ende der zweiten Runde flog Marathonstar Arne Gabius an mir vorbei. Der war als Staffelläufer unterwegs und lief seinen Halbmarathon in 66 min, was trotzdem aussah wie ein lockerer Trainingslauf. Anfangs der dritten Runde war ich mir sicher, dass ich keine Probleme mehr bekommen würde und lief durch. Eine letzte kurze Abkühlung bei km 18 und schon durfte ich ins Ziel abbiegen.

Die Uhr stoppte bei 5:14:46, was mir Platz 100 in der Gesamtwertung und Platz 7 in der Altersklasse einbrachte. Von allen größeren Triathlons meiner bisherigen Karriere dürfte das somit die beste AK-Platzierung sein. Noch mehr freute ich mich aber darüber, dass ich meinen Halbmarathon in 1:34:34 ins Ziel brachte. Das war 20 min schneller als in Samorin und endlich konnte ich mal das laufen, wozu ich mich immer imstande fühlte. Drei Gels und zwei Becher Cola hatten mir auf der Laufstrecke gereicht und der Magen fühlte sich noch immer gut an.

Fazit: Die Challenge Heidelberg ist eine super organisierte Veranstaltung. Schwimm- und Laufstrecke sind toll, die Radstrecke muss man nicht unbedingt mögen. Die Zielverpflegung war super. Für mich selbst hoffe ich, dass ich jetzt ernährungstechnisch einen Weg gefunden habe. Ob er zum Ziel führt, wird sich in Roth zeigen.

PS: Sabine hat ihre erste Kurzdistanz gut ins Ziel gebracht. Das ungeliebte Schwimmen beendete sie zwar als Allerletzte, doch dann rollte sie das Feld von hinten auf und wurde sogar noch Dritte in der AK. Hut ab!

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